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BENZODIAZEPINE: NEUES ZU DEN RISIKEN DER „MOTHER’S LITTLE HELPERS

Eine alltägliche Situation in der Praxis: Eine Patientin bittet um ein neues Rezept für ihr Schlafmittel, das sie schon seit Jahren nimmt. Ungeachtet des hohen Suchtrisikos zählen Benzodiazepine, umgangssprachlich auch Benzos genannt, (Diazepam, Alprazolam etc.) zu den am häufigsten verordneten Arzneimitteln bei Angst- und Schlafstörungen. Erfahren Sie hier Aktuelles zum Risiko der Benzodiazepin-Abhängigkeit:

Benzodiazepin-Abhängigkeit: Fünf Prozent der Patienten sind betroffen

Benzodiazepine (BDZ) kommen insbesondere bei psychiatrischen Notfällen, aber auch in der Notfallmedizin, der Anästhesie und bei Epilepsien zum Einsatz und werden sehr häufig bei Schlafstörungen verordnet. In Deutschland missbrauchen aktuell circa fünf Prozent der Patienten BDZ oder sind von diesen abhängig. Der Patientenanteil mit problematischer BDZ-Einnahme liegt hierzulande bei fast 18 Prozent, und insbesondere bei älteren Patienten steigt dieser auf über 20 Prozent an. Vor allem Frauen ab dem 40. Lebensjahr sind überdurchschnittlich häufig von BDZ-Abhängigkeit betroffen – daher der Beiname „MOTHER´s LITTLE HELPERS“ mit Anspielung auf den Song der Rolling Stones aus dem Jahr 1966.

Um das Abhängigkeitsrisiko zu minimieren, sollte der Einnahmezeitraum nach Arzneimittelrichtlinie auf vier Wochen begrenzt bleiben. Doch noch immer werden BDZ über einen zu langen Einnahmezeitraum, in zu hohen Mengen und auch in zu hoher Frequenz verordnet.
Vorsicht bei gleichzeitiger Einnahme von BDZ und Opioiden: Neben der Suchtgefahr birgt auch die Komedikation von BDZ und Opioiden im Rahmen einer Schmerztherapie ein hohes Risiko. Vor allem in den letzten Jahren wurde in den USA und Kanada vermehrt über Todesfälle im Zusammenhang mit der riskanten Komedikation von Benzodiazepin und Opioiden berichtet. Hier gilt es vor allem zu beachten, dass Benzos die müde machende und den Atemantrieb reduzierende Wirkung von Opiate verstärken. So kann es bei gleichzeitiger Einnahme zu einem synergistischen Effekt und damit zur potenziell letalen Atemwegsdepression kommen.

Laut Jahrbuch Sucht sind in D mind. 1,2 Mio. Personen Benzo-abhängig, genauso viele wie von Alkohol (1,3 Mio.). Die Einnahme dieser Substanzen ist laut einer aktuellen Studie bei Einnahmedauern von 3-6 Monaten mit einem Anstieg des Demenzrisikos um 32% und bei mehr als 6 Monaten um 84% gegenüber Nicht- oder Kurzzeitkonsumenten gesteigert.

Das Argument reicht bei meinen Patienten, die seit langem diese Präparate unüberlegt einnehmen (und von Kollegen verordnet bekommen) zumeist aus, um sie zu einem langsamen Absetzen zu motivieren.

Um eine Abhängigkeit zu vermeiden, sollte der Arzt die „4 K-Regel“ beachten:

  • Klare Indikation,
  • Korrekte Dosierung,
  • Kurze Anwendung,
  • Kein abruptes Absetzen bei hoher Dosierung und/oder längerem Gebrauch.
  • Die BDZ-Abhängigkeit fällt meist nicht auf: die für BDZ-abhängige Patienten typischen Entzugssymptome sind unspezifisch:
  • Schlafstörungen (71%),
  • Angst (56%),
  • Stimmungsschwankungen (49%),
  • Muskelschmerzen/-zuckungen (49%),
  • Zittern (38%),
  • Kopfschmerzen (38%),
  • Übelkeit/Erbrechen/Appetitverlust (36%),
  • Schwitzen (22%),
  • Verschwommenes Sehen (20%).
  • Daneben können Wahrnehmungsstörungen wie Überempfindlichkeit gegen Geräusche und Licht oder Veränderungen der Bewegung, des Sehens, des Geschmacks- oder Geruchssinns sowie Unwirklichkeitsgefühl auftreten. Als Komplikationen treten Psychosen oder epileptische Anfälle auf.

Sprechen Sie mit unserem Neurologen & Psychiater Dr. Nobbe über Ihre Abhängigkeit, er kann Ihnen helfen, davon los zu kommen.

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