Darmkrebsprävention – eindrucksvoller Beleg für den Nutzen der Darmspiegelung

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Darmkrebsprävention – eindrucksvoller Beleg für den Nutzen der Darmspiegelung

Der Test auf verstecktes Blut im Stuhl kann Häufigkeit und Sterblichkeit des Dcikdarmkarzinoms senken, dies ist eine seit langem bekannte Tatsache. Die Koloskopie (Darmspiegelung) ist aber noch wesentlich effektiver. Dies haben jetzt Langzeitauswertungen von sehr großen Studien gezeigt. Entfernt man die bei der Darmspiegelung entdeckten Darmpolypen, welche gutartige Vorstufen (sog. Adenome), welche sich im Laufe der Jahre zu einem Krebs (Karzinome) entwickeln können, kann das Risiko, ein Darmkrebs zu entwickeln, beträchtlich gesenkt werden.

Die Minnesota Colon Cancer Control Study war eine solche Studie, bei der mehr als 46.000 Personen im Alter zwischen 50 bis 80 Jahren rekrutiert wurden und jährlich oder alle zwei Jahre einen Test auf Blut im Stuhl angeboten bekamen. Die Kontrollgruppe wurde nicht auf Blut im Stuhl untersucht. Bei positivem Test wurde eine Koloskopie mit eventueller Polypektomie (Entfernung von Polypen) durchgeführt.

Bereits nach einigen Jahren war eine Senkung der Sterblichkeit an einem Dickdarmkarzinom in der Gruppe mit jährlichem Test auf verstecktes Blut berichtet worden. Die Autoren der aktuellen Publikation im New England Journals of Medicine untersuchten nun den Effekt des Screenings auf die Sterblichkeit der Studienteilnehmer und überblicken damit einen Zeitraum von rund 30 Jahren.

In der nicht kontrollierten Gruppe waren 2,7% der Personen an einem Dickdarmkrebs gestorben, in der Gruppe mit Test auf Blut im Stuhl alle zwei Jahre 2,2%. Somit zeigte sich, dass regelmäßige Kontrollen des Stuhls das Risiko, an ein Dickdarmkrebs zu versterben um ca. 30% gesenkt werden konnte.

Eine zweite Arbeit in der gleichen Ausgabe des New England Journals of Medicine untersuchte den protektiven Effekt einer Koloskopie bzgl. des Darmkrebsrisikos. Fast 90.000 Teilnehmer wurden 22 Jahre lang begleitet. Die Studienteilnehmer wurden bei den zweijährlichen Interviews auch nach zwischenzeitlich erfolgten Darmspiegelungen befragt. Zudem wurden die Befunde bei den Spiegelungen sowie die Todesursachen bei verstorbenen Studienteilnehmern erhoben.

Es wurden insgesamt 1815 Fälle eines Darmkrebses während der 22 Jahre Beobachtungsphase diagnostiziert (insgesamt mehr als 1,7 Mio. Personenjahre). Personen, die eine Endoskopie haben durchführen lassen, hatten ein signifikant reduziertes Risiko für Darmkrebs um ca. 40%. Die Studie zeigte weiterhin, dass nicht nur die Häufigkeit der festgestellten Krebse reduziert werden konnte, sondern auch die Sterblichkeit nach entdecktem Karzinom, da diese meist zu einem früheren Zeitpunkt festgestellt werden konnten.

Die Studie zeigt, dass selbst der einfache Test auf verstecktes Blut im Stuhl bei regelmäßiger Anwendung (am besten jährlich) die Darmkrebssterblichkeit senkt.

Allerdings sind trotz jährlichem Test immerhin 1,8% der Personen an einem Darmkrebs verstorben. Diese Zahl ist für eine regelmäßig überwachte Gruppe noch immer viel zu hoch. Der Test auf okkultes Blut im Stuhl hat somit einen positiven Effekt, kann aber die Vorsorgekoloskopie nicht ersetzen.

Die Auswertung der beiden großen Studien belegt erneut eindrucksvoll den Nutzen der Vorsorgekoloskopie auf Häufigkeit und vor allem Sterblichkeit des Dickdarm-Karzinoms. Die Autoren rechnen hoch, dass etwa 40% der Karzinome, die während der Nachuntersuchungen eintraten, durch eine Koloskopie aller Studienteilnehmer hätten verhindert werden können – eine eindrucksvolle Zahl.

Allerdings können nicht alle Karzinome verhindert werden. Die Intervallkarzinome, die innerhalb der nächsten Jahre nach einer Vorsorgekoloskopie auftraten, lassen die Vermutung zu, dass nach erfolgten Entfernungen von Polypen das Untersuchungsintervall auf ca. 1-3 Jahre verkürzt werden sollte, zumindest so lange, bis keine Polypen mehr nachweisbar sind.

Bei Personen ohne Familienanamnese für Darmkrebs war bis zu 15 Jahre nach einer negativen Koloskopie ein reduziertes Risiko zu beobachten. Bei Personen mit positiver Familienanamnese hingegen war ein Vorteil nur für die ersten fünf Jahre nach der Koloskopie nachweisbar. Dies ist ein klarer Hinweis darauf, dass bei Patienten mit positiver Familienanamnese engere Endoskopieintervalle notwendig sind. Die aktuelle Leitlinie der DGVS von 2013 „kolorektales Karzinom“ empfiehlt bei erstgradig Verwandten eines Darmkrebs-Patienten eine erste Koloskopie spätestens mit 40-45 Jahren, Intervalle bei negativem Befund höchstens 5 Jahre. Finden sich aber Hinweise in der Familienanamnese auf einen erblichen Darmkrebs, sollten die Intervalle drei Jahre nicht übersteigen.

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