Ertrinken – bei Kindern eine häufige Todesursache

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Ertrinken – bei Kindern eine häufige Todesursache

Als ich von der dramatischen Rettungsaktion der 750 Kanuten bei Dragonera hörte, die von einem plötzlich aufziehendem Sturmtief überrascht wurden, wurde mir klar, dass dies nur der Auftakt war und wir sicherlich diesen Sommer wieder von einigen Ertrinkungsunfällen in der Zeitung lesen werden. Unter den Kanufahrer waren auch viele Kinder unterwegs, einige von Ihnen, und das ist eine grobe Fahrlässigkeit, sogar ohne Schwimmwesten.

Laut einer Statistik ertrinken in Spanien jedes Jahr 600-900 Kinder bis 14 Jahre. Mehr als 60 % von denen waren jünger als 4 Jahre alt, von diesen ertranken wiederum ca. 300 in einem privaten Swimming Pool zu Hause oder bei Nachbarn und Freunden. Die meisten Ertrinkungsunfälle ereignen sich am Wochenende und in den Ferienmonaten.

Ertrinken ist bei ein bis fünfjährigen Kindern die häufigste und bei 5-10 jährigen die zweithäufigste nicht natürliche Todesursache nach Verkehrsunfällen. Bei Nichtschwimmer sind es die Kinder bis zu 5 Jahren, welche meist aufgrund einer Unterkühlung Ertrinkungsunfälle erleiden. Bei älteren Kindern ist es die Diskrepanz zwischen Selbsteinschätzung und konkreten Anforderungen. Bei den über 18-jährigen nicht selten der Alkohol. Ältere Menschen erleben häufig Kreislaufattacken, insbesondere bei vorgeschädigten Herzen. Häufige Ursachen des Ertrinkungstodes sind auch epileptische Anfälle im Wasser.

Im Säuglingsalter geschehen solche Unfälle meist in einer Wassertiefe von 3-30 cm. Noch bis zum 6. Lebensjahr wurden Badeunfälle noch in dieser geringen Tiefe registriert. Somit kommt jede Art von Wasserreservoir als Gefahrenstelle in Betracht, selbst Kleinstbehältnisse wie Wassereimer: in diese können Kleinkinder aufgrund ihres hohen Körperschwerpunktes Kopf überfallen, ohne mit dem Behältnis umzukippen.

Der Ertrinkungsvorgang ist zunächst charakterisiert durch panische Angst und heftigen Befreiungsversuchen. Zunehmend wird Wasser geschluckt und wieder erbrochen. Dadurch kommt es zu einem Sauerstoffmangel, was wiederum zu einer Bewusstlosigkeit und, je nach Dauer des Sauerstoffmangels, zu Schädigungen des Gehirns und innerer Organe oder zum Tod führen kann.

Unabhängig von der Wassertemperatur kommt es fast bei jedem Ertrinkungsunfall zu einer Unterkühlung. Leider zeigte sich immer wieder, dass eine Wiederbelebung bei einer Körpertemperatur unter 32 °C nicht mehr möglich ist.

Medizinisch gesehen ist die Unterscheidung zwischen Süßwasser – und Salzwasserunfälle sehr wichtig. Beim Aspiration von Süßwasser tritt Wasser von den Lungenbläschen in die Lungengefäße, die hierdurch verursachte Verdünnung des Blutes löst häufig einen Herzstillstand aus. 16,9 % der Kinder entwickelten nach einer Süßwasseraspiration eine Schwellung des Gehirns (Hirnödem), was in 70 % aller Fälle zu einer schweren Hirnschädigung oder zum Tod geführt hatte.

Bei Aspiration von Meerwasser kommt es umgekehrt zum Austritt von Wasser aus den Blutgefäßen in die Lunge. Dies führt zu einer zusätzlichen, schweren Wassereinlagerung in beide Lungenflügel, wodurch wiederum ein Sauerstoffmangel des Kreislaufes beschleunigt wird. In beiden Fällen wird das Überleben weniger durch die Lungenprobleme sondern eher von der Dauer des Sauerstoffmangels im Gehirn bedroht.

Jede Wasserstelle übt eine große Anziehungskraft auf Kinder aus. Die Hauptgefahr hierbei besteht darin, dass sich Kinder des Risikos für Gefahren nicht bewusst sind. Aus diesem Grund versteht es sich von selbst, dass Kinder niemals unbeaufsichtigt am Wasser spielen dürfen. Auch ältere Geschwister Kinder dürfen keine Aufsicht durch einen Erwachsenen ersetzen.

Welche Maßnahmen sollten gleich ergriffen werden?

Natürlich muss das Kind so schnell wie möglich aus dem Wasser geborgen werden. Sprechen Sie das Kind an, um die Bewusstseinslage zu prüfen. Versuchen Sie nicht das Wasser aus der Lunge zu entfernen. Ist das Kind ansprechbar, sollte die durchnässte Kleidung entfernt werden und der Körper mit trockenen Handtüchern warm gehalten werden. Versuchen Sie beruhigend auf das Kind einzuwirken.

Ist das Kind nicht mehr ansprechbar und weist aber noch regelmäßige Atemzüge auf, sollten Sie es in die stabile Seitenlage bringen, damit das ausgehustete Wasser nicht wieder in die Lunge zurück fließen kann. Besteht ein Kreislauf- oder ein Atemstillstand muss sofort eine Herz Lungen Wiederbelebung durchgeführt werden. In jedem Fall sollte immer sofort ein Notarzt gerufen werden. Denn auch wenn das Kind ein nach einem vermutlichen Ertrinkungsunfall keines dieser Anzeichen aufweist, sollte es auf jeden Fall im Krankenhaus ärztlich behandelt und überwacht werden, da auch ein kurzzeitiger Sauerstoffmangel oft erst nach 24-48 Stunden zu einer Beeinträchtigung der Hirn- und Organfunktionen führen kann.

L. Chadid

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