Zeitenwende Wechseljahre

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Zeitenwende Wechseljahre

Zeitenwende Wechseljahre
Kein Grund sich zu quälen

Es ist Sommer und viele Frauen ab der Lebensmitte fragen sich, ob sie wegen der Hitze auf Mallorca so ins Schwitzen kommen oder ob es doch eher die Wechseljahre sind.

Ist seit der letzten Periode mehr als ein Jahr vergangen, ist das nachträglich gesehen die Menopause, also die letzte Periode. Die Eierstöcke haben ihre Funktion beendet; es ist das Signal für die Wechseljahre oder auch Klimakterium genannt. Finden keine Blutungen mehr statt, weil die Gebärmutter durch einen früheren Eingriff entfernt wurde, so ist der Eintritt der Wechseljahre nicht so einfach festzustellen. Hier ist dann eine Untersuchung bestimmter Hormone sinnvoll.

Vereinfacht gilt: ein Drittel der Frauen in den Wechseljahren hat gar keine Beschwerden, ein Drittel leidet mittel und das letzte Drittel sehr stark unter den typischen Symptomen wie Hitzewallungen, Schweißausbrüchen, Schlafstörungen usw.

Doch trotz starker Beschwerden zögern viele Frauen bei einer Behandlung mit Hormonen. Befürchtet wird: Hormone machen dick, verursachen Thrombosen, Depressionen, Krebs oder ganz allgemein: Hormone beeinflussen meinen Körper negativ.

Dabei sind Hormone bei klimakterischen Beschwerden am wirksamsten. Sie haben einen günstigen Effekt auf die Knochen und vermeiden oder verzögern eine Verminderung der Knochendichte und Osteoporosen. Das ist bereits seit Jahrzehnten bekannt. Eine hormonelle Therapie wird als die beste medikamentöse Option zur Prävention von Osteoporose bewertet.

Außerdem ging man davon aus, dass die Hormone die Frauen auch vor Arteriosklerose, Herzinfarkt und Hirnschlag schützen. Daher wurden bis 2002 Hormone recht großzügig eingesetzt. In diesem Jahr wurden Studien veröffentlicht, wie die WHI, die den bisherigen Ansichten zu widersprechen schienen. Sie wurden in den Medien, unter Frauen und in den Sprechzimmern der Frauenärzte intensiv diskutiert. Laut der Studien würde unter Hormonbehandlung das Risiko für Brustkrebs, Infarkt und Thrombose ansteigen.

In 2003 sank daher die Verordnung von Hormonpräparaten in Deutschland um 50%, in Kalifornien nach 2002 um 85%. Parallel dazu nahm dort die Anzahl der Brüche von Hüftknochen um 50% zu.
Nachfolgend bedauerten maßgebliche Autoren der WHI, dass ihre Daten missinterpretiert worden seien, mindestens 20% der klimakterischen Frauen würde dadurch die dringend benötigte Hormonbehandlung verweigert; Millionen von Frauen müssten unnötig leiden. Es hatte auch schon frühzeitig Hinweise auf Mängel der Studie gegeben.

2007 kamen dann auch WHI-Autoren zu dem Ergebnis, dass bei Frauen unter 60 Jahren unter einer Hormonbehandlung das Risiko für Herzinfarkt und Hirnschlag und auch die Gesamtsterblichkeit deutlich vermindert waren. Auch fand man eine Reduzierung von durch Osteoporose bedingten Knochenbrüchen, von Diabetes und Dickdarmkrebs. Und wurden nur Östrogene eingesetzt, was nach der Entfernung der Gebärmutter möglich ist, so war auch das Risiko für eine Brustkrebserkrankung reduziert.

Im Grundsatz gilt: Hormone sind hochwirksame Mittel; ihr richtiger Einsatz nach dem Prinzip „so wenig, wie möglich, so viel, wie nötig“ muss klar sein. Klimakterische Beschwerden, unter denen die Frau leidet, begründen ihren Einsatz; ebenso die Vorbeugung bei erhöhtem Risiko für eine Osteoporose. Kontraindikationen aus anderen Erkrankungen und Risiken sollten ausgeschlossen werden. Die richtigen Wirkstoffe und der adäquate Zugangsweg sind wichtig: bei erhöhten Cholesterin-Werten empfiehlt sich der Weg mit Tabletten über die Leber, bei erhöhtem Thromboserisiko der Weg über die Haut mittels Gel oder Pflaster. Und bei lokalen Beschwerden wie trockener Scheide und Blasenproblemen ist besser eine lokale Behandlung mit Creme oder Scheidenzäpfchen, weil sie dort wirksamer ist und so gut wie keine Nebenwirkungen hat.

Eine weitere Option sind Nahrungsergänzungsmittel sowie pflanzliche Präparate wie Isoflavone (Soja, Rotklee) und die Traubensilberkerze. Praktische Erfahrungen zeigen, dass Frauen mit leichten Beschwerden von beidem profitieren können. Auch antidepressive Medikamente kommen zum Einsatz, z. B. nach einer Brustkrebserkrankung.

Vor diesem Hintergrund gilt -wie bei vielen Dingen im Leben-, dass weder eine Hormontherapie noch Nahrungsergänzungsmittel immer „die“ einfache Lösung bieten. Entscheidend ist zielgerichtet Vorteile zu nutzen und Nachteile zu vermeiden. Daher kommt es umso mehr darauf an, in der frauenärztlichen Sprechstunde die wichtigen Aspekte des richtigen Mitteleinsatzes vertrauensvoll zu besprechen und Nutzen und Risiken ganz individuell für die Frau abzuwägen. Dies ist dann eine fundierte Grundlage für eine bewusste und gute Entscheidung, die Beschwerden anzugehen. … und sich insoweit das Leben wieder angenehmer zu machen.

Dr. Renate Wiesner-Bornstein ist Frauenärztin an der Clinica Picasso in Palma, Tel.: 971 22 06 66 www.clinica-picasso.eu

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