Teil 2: Vorsorge, Gesunde Lebensführung,

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Teil 2: Vorsorge, Gesunde Lebensführung,

Krankheiten des Kreislaufsystems sind die häufigste Todesursache bei Männern und Frauen im Alter von 65 Jahren und älter. Die Sterbeziffern durch Herzinfarkte unterscheiden sich deutlich zwischen den Mitgliedstaaten der EU. Die höchsten Ziffern bei älteren Menschen verzeichneten Rumänien (618 Todesfälle je 100 000) und Finnland (595), die niedrigsten Ziffern in Frankreich (273) und Spanien (396).

Wie sind diese Unterschiede zu erklären? Dass es der vermehrte Weinkonsum sein soll, wie oft behauptet, wurde bereits mehrfach widerlegt. Nein, es muß mehr sein, ich denke es einfach die gesündere Lebensart, das Wetter und die Ernährung. Wissenschaftler haben in den letzten Jahren mehrere wichtige Faktoren ermittelt, die einen relevanten Einfluss auf unser Herz-Kreislaufsystem haben: Wer z.B. mindestens 7 Stunden Nachtruhe einhält, senkt das Risiko on Herz-Kreislauferkrankungen um 22 %. Bewiesen ist auch, dass verheiratete Menschen seltener Herzkrankheiten und bei einem Herzinfarkt eine fast doppelt so hohe Überlebenschance haben wie Alleinstehende. Selbst Hunde, mit denen wir regelmäßig Gassi gehen, senken das Risiko einer Herzerkrankung beim Menschen.

Geschwächt wird unsere kleine Pumpe z.B. durch nächtlichen Verkehrslärm von mehr als 40 Dezibel. Befinden sich weniger als 10 Zähne im Mund, besteht ein siebenmal höheres Risiko eine Herzerkrankung zu erleiden. Selbst das Wetter kann einen Einfluss ausüben: ein Absinken der Temperatur um 10 Grad verursacht einen Anstieg von Herzinfarkten um 7 %. Dass Nikotin unser Leben verkürzt, ist allgemein bekannt: trotz aller abschreckenden Beispiele sterben allein in Europa weiterhin jährlich ca. 300.000 Menschen an den Folgen des Nikotinkonsums. Das entspricht 70% der Einwohner Palmas.

Auch die Ernährung spielt eine große Rolle: Im Rahmen einer Studie konnte gezeigt werden, dass schon 5g Transfettsäuren pro Tag das Herzinfarktrisiko um 25% erhöht. Transfettsäuren sind somit extrem schädlich. Sie entstehen durch künstliches Erhitzen flüssiger Pflanzenöle. In unserem modernen Essen finden sich überall Transfette. Dazu zählen Pommes, Chips, alle frittierte Lebensmitteln wie Chicken Wings, in Berlinern und Blätterteig, Fertigsuppen, Braten-Soßen, Wurst und selbst in Müsliriegeln oder Frühstücksflocken. Eine Portion Pommes enthält schon 6,8g Transfette. Als einziges Land in Europa reagierte Dänemark auf diese Erkenntnis: alle dort angebotenen Nahrungsmittel dürfen einem Erlass nach Nahrungsmittel einen maximalen Anteil von 2% an Transfette enthalten.

Ein wichtiger Baustein für ein langes Leben ist die Vorsorge. Regelmäßiges Laufen vergrößert nicht nur das Schlagvolumen des Herzens von 22 Litern pro min auf 38 Liter, es reguliert auch den Ruhepuls von etwa 75 Schlägen pro Minute auf 40, senkt das Cholesterin, schützt vor Diabetes und verbessert die Durchblutung und Kraft der beanspruchten Muskulatur. Nicht zuletzt erhöht ein regelmäßiges Training das Herzgewicht auf etwa 500 g und steigert das Blutvolumen von 5 auf bis zu 7 Liter. Wichtig ist aber, dass vor allem die älteren Mitbürger Beginn eines Aufbautrainings eine ärztliche Untersuchung durchführen lassen, um ggf. bereits bestehende Erkrankungen des Herzkreislaufsystems zu erfassen und zu behandeln.

Auch nach einem durchgemachten Herzinfarkt dürfen wir uns auf keinen Fall schonen. Im Gegensatz zu früheren Meinungen zeigen wissenschaftliche Studien immer deutlicher, dass intensives Training Herzpatienten länger und zufriedener leben lassen. Dies setzt natürlich voraus, dass zunächst ein körperliches Aufbauprogramm absolviert wird. Nebenbei sollte nicht unerwähnt bleiben, dass ein intensives Kardiotraining auch das Risiko für Darmkrebs, Brustkrebs, Demenz, Schlaganfall und Depression deutlich senken kann.

Mindestens 3, besser jedoch fünfmal pro Woche sollte hierfür jeder Erwachsene einen leichten Ausdauersport betreiben, und zwar mindestens 30 Minuten lang. Hierzu genügt schon ein zügiges spazieren gehen, ein langsames Jogging, Radfahren oder Inlineskaten, eine Unterhaltung sollte hierbei noch anstrengungslos möglich sein. Nichts spricht auch gegen ein intensiveres Training, sofern der Kardiologe hier keine Bedenken sieht: stramm radelnde Männer lebten im Schnitt 5,3 Jahre länger als gemütliche Strampler. Je besser unsere Patienten dies beherzigen, umso seltener müssen wir unsere Rezeptblöcke zücken, und wenn, dann höchstens um darauf das nächste Trainingsprogramm aufzuschreiben.

L. Chadid

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