Was ist die Stoßwellentherapie – und bringt sie etwas?
kardiologe internist chadid clinica picasso
Unser Herz – ein großartiger Motor (1/5)
09/09/2018
kardiologe internist chadid clinica picasso
Unser Herz – ein großartiger Motor (2/5)
17/09/2018

Was ist die Stoßwellentherapie – und bringt sie etwas?

Was ist die Stoßwellentherapie

Die heilende Kraft der Stosswellen

Die extrakorporale Stoßwellentherapie ist in aller Munde, wenn es um die Behandlung von Schmerzen im Bereich der Orthopädie geht. Aber ist die ESWT, wie die Behandlung abgekürzt genannt wird, überhaupt wirksam? Hat sie Nebenwirkungen? Wer trägt die Kosten und ist der Nutzen überhaupt wissenschaftlich belegt?

Auf diese Fragen werde ich im Folgenden detailliert eingehen, um viele um das Thema ESWT herum existierende Unklarheiten zu beseitigen.

Was ist die Stoßwellentherapie?

Die extrakorporelle Stoßwellentherapie macht sich den Ausbreitung und Wirkung von Schallwellen im Gewebe zunutze. Medizinisch werden diese Stoßwellen schon seit über 30 Jahren auch im orthopädischen Bereich angewendet, nachdem sie initial in anderer Form zur Zertrümmerung von Steinen in der Urologie eingesetzt wurden.

Die verwendeten Schallimpulse lösen vielfältige Reaktionen im behandelten Gewebe aus. Zunächst kommt es zur Ausschüttung von sogenannten Zytokinen, Wirkstoffen mit Auswirkungen auf das lokal gereizte Gewebe. Weiterhin wird nachweislich die Neubildung winziger Gefäße in der behandelten Struktur gefördert (sogenannte Angiogenese), wodurch die lokale Durchblutung gefördert wird und eine entzündungshemmende Wirkung eintritt.

Anwendungsbeispiele für die ESWT im orthopädischen Fachgebiet sind vor allem die Kalkschulter (Tendinits calcarea), der plantare Fersensporn mit Entzündung der Platarfaszie, die Schmerzen am Achillessehnenansatz (Achillodynie) sowie die Epikondylitis im Ellenbogenbereich (Golfer- und Tennisellenbogen).

Therapiemöglichkeiten bei Schmerzen am Bewegungsapparat neben der ESWT

Schmerzhafte Veränderungen und Reizungen an Sehnenansätzen, Muskelursprüngen oder Faszienstrukturen sind häufig. Oft treten sie nach einer körperlichen Überanstrengung, einer ungewohnten Belastung oder nach Sport auf, manchmal findet man jedoch keinen typischen Auslöser.

Ursache sind oft vorstehende Veränderungen der Strukturen wie etwa der Plantarfaszie (straffe Bindegewebsschicht oberhalb der Fußsohle) beim Knick-/Senkfuß, die zu einem Umbau des Gewebes führen, was mit einer Verdickung und dann mit lokalen und oft ausstrahlenden Beschwerden einhergeht. Verschwinden die Schmerzen nicht nach ein Paar Tagen oder sind diese sehr stark ausgeprägt, führt der Weg des Patienten häufig zum Arzt.

Viele Therapieoptionen neben der ESWT

Die typische Behandlung dieser Entzündungen beinhaltet neben oraler oder lokaler Anwendung entzündungshemmender Schmerzmittel (nichtsteroidale Anti-Rheumatika = NSAR) in Form von Gels, Salben und Tabletten die regelmäßige Durchführung von speziellen Dehnübungen, um eine Detonisierung der Strukturen zu erreichen.

Oft wird, falls keine Kontraindikationen wie zum Beispiel schwerer Diabetes mellitus oder blutverdünnende Maßnahmen bestehen, mit lokalen Injektionen durch den entsprechenden Facharzt für Orthopädie gearbeitet. Diese enthalten in der Regel ein antientzündliches Medikament (oft kommen Cortisonpräparate zum Einsatz) in Kombination mit einem länger wirksamen Lokalanästhetikum. Diese Injektionen werden je nach Krankheitsverlauf mehrmals in etwa wöchentlichen Sitzungen durchgeführt.

Was ist ESWT

Stoßwellentherapie Ferse (Tipp!)

Dennoch gibt es eine gewisse Zahl von Patienten, bei denen die Schmerzen nicht auf die genannten Therapieoptionen ansprechen und weiterhin über Schmerzen beim Bewegen, teilweise auch in Ruhe und nachts, klagen.

Treten die Beschwerden am Fuß auf, zum Beispiel im Rahmen eines Fersen-sporns mit begleitender Plantarfaszienentzündung, sollte der lokale Druck verringert werden. Hierzu können dämpfende Fersenpolster oder orthopädische Einlagen, welche beim Orthopädieschuhmacher nach Maß angefertigt werden, eingesetzt werden. Weitere Therapieansätze sind lokale Eisanwendungen und Kräftigungsübungen für die Fußmuskulatur.

Außerdem verbreitet sind die Röntgenreizbestrahlung (in einer Abteilung für Nuklearmedizin,), die Reizstromtherapie (TENS) und die extrakorporelle Stoßwellentherapie (ESWT), auf die im weiteren Text eingehend berichtet werden soll.

Wie schmerzhaft ist eine Stoßwellentherapie?

Im Rahmen wiederholter ESWT Anwendungen werden Schmerzrezeptor-Transmitterspeicher geleert und sensorische Nervenenden, die für das Schmerzempfinden zuständig sind (sogenannte Typ C-Fasern) werden betäubt. Dies geschieht durch die Freisetzung der sogenannte Substanz P, einem Schmerzmediator. Daher wird die Behandlung mit Stoßwellen auch nicht selten als schmerzhaft empfunden. In sehr schmerzhaften Fällen kann zusätzlich ein örtliches Betäubungsmittel injiziert werden, bevor die Stoßwellenbehandlung erfolgt.

Wann ist ein Besserung nach Stoßwellentherapie zu erwarten?

Der Abfall der Substanz P-Menge tritt  meist erst mittelfristig ein, so dass der Behandlungserfolg nicht sofort nach der Behandlung, sondern verzögert und langfristig zu erwarten ist.

Laufen nach Stoßwellentherapie

Möglichst wenig laufen. Nach der Stoßwellentherapie muss sich das behandelte Gewebe erholen können. Außerdem muss das Wiederauftreten der entzündlichen Veränderungen vermieden werden. Daher sollten während der wöchentliche Therapiesitzungen und einige Wochen nach Abschluss der Behandlung eine Schonung bezüglich Maximalbelastungen und des auslösenden Einflusses eingehalten werden. Im Falle anatomischer Gründe für die Schmerzen (z.B. Fußdeformitäten, Fehlbelastung) ist daneben eine gezielte Abklärung und Behandlung der Ursache entscheidend.

Verhalten nach Stoßwellentherapie

Nach Durchführung der Stoßwellentherapie ist vorübergehend eine Schonung des behandelten Gewebes  zu empfehlen. Während alltägliche Belastungen in der Regel kein Problem darstellen, müssen Sie Ihr bisheriges Verhalten wie Maximalbelastungen und Sport zunächst pausiert werden.

Falls Sie ein fundierte Beratung bezüglich der Stoßwellentherapie wünschen oder wissen möchten, ob die ESWT in Ihrem Falle die richtige Therapieoption wäre, setzen Sie sich bitte mit mir in der Clínica Picasso in Verbindung.

Tel (+34) 971 220 666

Mail: sven.fischer@clinica-picasso.eu

ESWT Behandlung

Unterschieden werden bei der ESWT Therapie zwei Varianten:

Fokussierte Stoßwellentherapie

Eine sogenannte fokussierte Stoßwelle, die piezo-elektrisch arbeitet und ganz punktuell eingesetzt wird. Diese ist vom Geräuschpegel her anders als die klassische, mechanische Stoßwelle, die sogenannte

Radiäre Stoßwelle

Diese Art der Stoßwelle weist in der Regel höhere Frequenz auf, ist also schneller gepulst und wird heutzutage mehr flächig als punktuell eingesetzt. Hiermit lassen sich in Kombination mit der fokussierten Stoßwelle auch die an die schmerzhafte Struktur angrenzende Muskelbereiche behandeln.

Die Kombination aus fokussierter und radiärer Stoßwelle ist effektiv

Variabel sind die Energie, die durch das Gerät und den Applikations-Schallkopf abgegeben wird, deren Frequenz und die Eindringtiefe der Schallwellen über verschiedene Aufsätze auf die Handstücke (Applikatoren). Im Falle einer Entzündung der Plantarfaszie, aber auch in anderen Lokalisationen können beide Verfahren mit Erfolg angewendet werden.

Wie lange dauert eine Stoßwellentherapie?

Laut Studienlage dauert es meist 3 bis 6 Sitzungen, um die Erkrankung vollständig zu therapieren. In Einzelfällen werden darüber hinaus weitere Sitzungen mit Langzeiterfolg durchgeführt. Bei extremen Schmerzen bei der Behandlung kann beispielsweise vor der Anwendung auch eine Lokalanästhesie erfolgen.  Die Anwendungen werden in der Regel in wöchentlichen Abständen durchgeführt.

Die ESWT Therapie – Studienlage

Am Beispiel der Plantarfasziitis (umgangssprachlich „Fersensporn“) konnte im Vergleich zu einer Placebo-Kontrollgruppe in Studien gezeigt werden, dass die Stoßwellentherapie eine signifikante Schmerzreduktion nach 3 Sitzungen bringt und die Patienten sehr zufrieden mit Ihrer Behandlung waren.

ESWT – Nebenwirkungen?

In Studien konnte außerdem gezeigt werden, dass die Therapie keine Nebenwirkungen auf das benachbarte Gewebe hat. Im Gegenteil wurde ein zufälliger positiver Nebeneffekt auf Haut, Knochen und Muskeln festgestellt. (Gollwitzer H et al. Clinically Relevant Effectiveness of Focused Extracorporeal Shock Wave Therapy in the Treatment of Chronic Plantar Fasciitis. J Bone Joint Surg Am 2015; 97(9): 701–708. https://www.ncbi.nlm.nih.gov).

Lediglich bei Einnahme stark blutverdünnender Medikamente kann es im Einzelfall zur Ausbildung oberflächlicher Hämatome im Anwendungsgebiet kommen, so dass hier eine Risiko-/Nutzen-Abwägung erfolgen muss.

ESWT Behandlung

Wie viel kostet eine Stoßwellentherapie?

Der Studienlage sind nach vielen Jahren nun anscheinend auch die deutschen Krankenkassen gefolgt, denn nach einer aktuellen Mitteilung und Einschätzung durch den Gemeinsamen Bundesausschuss (GBA) soll die Stoßwellentherapie nun Kassenleistung werden. Klicken Sie hier, um mehr zu erfahren!

Übernimmt die Krankenkasse die Kosten der ESWT?

Dennoch werden die Kosten nur unter bestimmten Vorraussetzungen übernommen werden. Diese beinhalten zum Beispiel, dass vor Genehmigung der Stosswellenbehandlung bereits eine sechsmonatige, nichtoperative Behandlung mit Injektionen, Dehnübungen und Einlagenversorgung erfolgt ist.  Der Beschluss muss nun noch dem Bundesgesundheitsministerium präsentiert und abgesegnet werden.

Bis dahin ist die Stoßwellentherapie eine private Leistung. Die Kosten für eine Anwendung über 3 Sitzungen liegen aufgrund der hohen Anschaffungskosten der Geräte und der Tatsache, dass die Anwendung stets durch den behandelnden Arzt selbst durchgeführt wird, pro Sitzung zwischen 80 und 150 Euro.

Fazit

Die extrakorporale Stoßwellentherapie (ESWT) ist heute eine der am besten wissenschaftlich belegten konservativen Therapieoptionen in der Orthopädie. Mittlerweile wurde die Therapie auf Problematiken an Triggerpunkten in der Muskulatur und des myofaszialen Schmerzsyndroms ausgeweitet. Auch schlecht heilende Knochenbrüche können mit der ESWT in die Heilung überführt werden, werden sie gezielt angesteuert.

Die ESWT ist zusammenfassend also kein Allheilmittel. Ihr gezielter, auf wissenschaftlichen Grundlagen beruhender Einsatz ist jedoch die Basis Ihres hohen Stellenwertes in der Orthopädie, zumal es kaum unerwünschte Nebenwirkungen gibt.

Falls Sie ein fundierte Beratung bezüglich der Stoßwellentherapie wünschen oder wissen möchten, ob die ESWT in Ihrem Falle die richtige Therapieoption wäre, setzen Sie sich bitte mit mir in der Clínica Picasso in Verbindung.

Orthopäde kontaktieren:

Tel.:  (+34) 971 220 666

Mail: sven.fischer@clinica-picasso.eu

Ihr Dr. Sven Fischer
Facharzt für Orthopädie und Unfallchirurgie

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Webseite verwendet Cookies, sowohl eigene als auch von Dritten. Wenn Sie auf der Seite weitersurfen, stimmen Sie der Nutzung von Cookies zu. Weitere Informationen zur Cookie-Richtlinie.

The cookie settings on this website are set to "allow cookies" to give you the best browsing experience possible. If you continue to use this website without changing your cookie settings or you click "Accept" below then you are consenting to this.

Close