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Wechselbad der Gefühle

Warum sich durch die Wechseljahre quälen? Ein ärztliches Plädoyer für einen entspannteren Umgang mit modernen, mittlerweile bioidentischen Hormonen

Es ist Frühling! Aber was ist, wenn man die steigenden Temperaturen aufgrund von Hitzewallungen nicht genießen kann? Vielleicht kommen andere Symptome der Wechseljahre hinzu wie Stimmungsschwankungen, Schlafstörungen, Gelenkschmerzen und Gewichtszunahme? Sind Sie frisch verliebt, aber der Sex tut weh oder Sie haben einfach keine Lust? Dann stellt sich die Frage: Quäle ich mich da durch oder beginne ich mit einer Hormonersatztherapie?

Ohne Frage sind die Wechseljahre ein natürlicher Prozess, bei dem die Eierstockfunktion (und später auch die Funktion der Nebennierenrinde) im Laufe der Zeit immer weiter abnimmt. Leider bringt dieser Prozess häufig die oben genannten Symptome mit sich. Das Versiegen der Eierstockfunktion hatte in der Evolution keine nachteiligen Folgen, da die Frauen mit 35–40 Jahren bereits Kinder bekommen und somit aus Sicht der Natur ihr Soll erfüllt hatten. Dass die Frauen heutzutage immer später Kinder bekommen und danach noch lange weiterleben, hat die Natur so nicht vorgesehen. Zum Beispiel hinsichtlich der Knochengesundheit brauchen wir unsere Hormone jedoch noch dringend. Allerdings wird eine Hormontherapie in den Wechseljahren, im Gegensatz zur Einnahme der Pille als hormonelle Verhütungsmethode, kontrovers diskutiert. Warum? Schilddrüsenhormone werden doch auch erfolgreich ersetzt oder ergänzt!

Die Ursachen sind mehrere Studien, zum Beispiel die Women’s Health Initiative-Studie. Sie sollte die Sicherheit einer Hormontherapie bestätigen, wurde aber frühzeitig abgebrochen, da vermehrt Schlaganfälle, Thrombosen und Brustkrebs auftraten. Bei genauer Durchsicht der Daten zeigte sich aber unter anderem, dass die Patientinnen deutlich älter waren (im Schnitt 63 Jahre) als die Patientinnen, die einen Arzt normalerweise wegen Wechseljahresbeschwerden aufsuchen. Zudem hatten sie häufig schon Vorerkrankungen wie zum Beispiel Arteriosklerose. Zudem waren Hitzewallungen kurioserweise ein Ausschlusskriterium für die Studie, da sonst mit zu vielen Studienabbrecherinnen in der Kontrollgruppe gerechnet wurde. Es ist also mehr als fraglich, ob überhaupt das richtige Patientenkollektiv untersucht wurde.

Aufgrund dieser Studien und der nach ihrer Veröffentlichung folgenden Horrorberichterstattung quälen sich die Frauen nun schon seit mehr als zehn Jahren mehrheitlich ohne Hormone durch die Wechseljahre. Erfreulicherweise hat sich die Art der Hormontherapie in den letzten Jahren revolutioniert. Es stehen mittlerweile bioidentische Hormone zur Verfügung, die genau dieselbe Struktur haben wie die natürlichen Hormone, die vorher in höherer Menge im Körper vorhanden waren. Sie werden mehrheitlich auf Basis der Yamswurzel und der Sojabohne hergestellt.

Es hat sich zudem herausgestellt, dass die Art der Anwendung eine bedeutende Rolle spielt: wenn zum Beispiel Östradiol, das weibliche Hormon, als Gel über die Haut zugeführt wird, wird die Leberpassage umgangen und dadurch die Thrombose- und Schlaganfallgefahr minimiert. Die Brustkrebsgefahr ist bei einer herkömmlichen Hormonersatztherapie tatsächlich erhöht. Wird jedoch bioidentisches mikronisiertes Progesteron (das Gelbkörperhormon) verwendet, ließen sich bislang keine erhöhten Brustkrebsraten nachweisen.

Nichtsdestotrotz sind Hormone, auch die bioidentischen, sehr potente Stoffe, die nur unter ärztlicher Aufsicht und nach ausführlicher Risikoabschätzung angewendet werden sollten. Die Hormonwerte sollten im Verlauf kontrolliert werden, um die Spiegel in einem unteren Normalbereich einzustellen.

Eignen sich Hormone als Anti-Aging-Strategie auch jenseits der Wechseljahre? Das Symptom „Hitzewallungen“ verschwindet in der Regel mit der Zeit. Aber auch nach den Wechseljahren bleibt der Hormonmangel bestehen und wird immer gravierender, was zu Osteoporose, trockener Haut, insbesondere im Bereich der Scheide, Depressionen, dünner werdendem Haar und faltiger Haut, Schlafstörungen, eingeschränkter Leistungsfähigkeit und vielem mehr führen kann. Im Alter kommt es nämlich zu multiplen hormonellen Fehlregulationen. In der Anti-Aging-Medizin versucht man diese Fehlregulationen durch eine generelle multiple Hormonsubstitution unter Kontrolle zu bekommen. Ziel ist die Einstellung der Hormonwerte auf den untersten Bereich junger Erwachsener. Nach Ausschluss von Risiken kann die Substitution mit bioidentischen Hormonen innerhalb physiologischer Hormonspiegel risikoarm erfolgen.

Dr. Nele Braun ist Gynäkologin und Geburtshelferin in der Clinica Picasso. Tel: 971- 220666.

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